 Ein Werbetram Ich habe bereits in früheren Beiträgen einiges über Marschrutkas und Trolleybusse geschrieben. Höchste Zeit also ein weiteres, wichtiges Stadtverkehrsmittel etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, die Strassenbahn. Ich benützte die Trams, aus logistischen Gründen, relativ selten und bin bis anhin nicht zu oft damit gefahren. Es reicht aber natürlich trotzdem, um über das 1947 eingeweihte Transportmittel ein paar Zeilen zu schreiben.
Liniennetz Fünf Linien kurven durch Irkutsk Strassen und bewegen sich auf einem Liniennetz von insgesamt 23,4 km. Zwei Linien davon überqueren die Angara und verbinden somit den Bahnhof mit dem Stadtzentrum. Die anderen Linien fahren ausschliesslich auf der «Hauptseite» der Stadt und fahren alle über den Zentralmarkt. Im Schnitt rund alle so 10 Minuten fahren die Trams der verschiedenen Linien, allerdings nicht immer sehr regelmässig und es kann schon vorkommen, dass man länger warten muss, dafür dann aber gleich zwei Trams der gleichen Linie aufeinanderfolgen. Vor allem in Marktnähe hat die Strassenbahn kein eigenes Trasse und bei dem chaotischen Verkehr dort kann das Tram schon mal eine Weile feststecken.
Fahrzeugtypen Das Design der Fahrzeuge ist wohl etwas in die Jahre kommen. Niederflurtrams gibt’s noch nicht aber dafür scheinen die Dinger äusserst robust zu sein. Unsere Zürcher Hi-Tech-Cobras würde wohl bei diesen Temperaturen und Klimaverhältnissen ziemlich bald schlapp und keinen Wank mehr machen. So drehen insgesamt 55 Breitspur-Trams der Typen KTM-5, KTM-8 und KTM-19 (Made in Russia) in Irkutsk zuverlässig ihre Runden. Die älteren, blechigen Typen sind meistens in einem verwaschenen rot gehalten, die neueren Modelle sind beige gespritzt. Einige Trams sind auch komplett mit Werbung überklebt. Der Knüller in der Tramflotte ist aber ein herrliches, pinkiges Tram, dass bei jeder Gay-Veranstaltung das Leitfahrzeug spielen könnte.
 Innenansicht Preis und Tickets Eine Einzelfahrt mit den Trams, egal welche Strecke, kostet RUB 12. Das sind umgerechnet rund 40 Rappen. Dieser Preis gilt aber nur, wenn man das Ticket im Tram selbst kauft. Man kann auch Tickets an verschiedenen Kiosken im Voraus kaufen und dann kostet eine Einzelfahrt erstaunlicherweise nur 10 Rubel. Wenn man aber das Ticket im Tram kaufen will, muss man das tatsächlich bei der Fahrerin machen. Mit anderen Worten: wenn man ganz hinten einsteigt, muss man sich durch das meist volle oder übervolle Tram quetschen, um dann ganz vorne das Ticket zu beziehen. Die Fahrerin muss sich also auf den Verkehr konzentrieren und gleichzeitig auch noch Tickets verkaufen. Ohne Zweifel keine leichte Aufgabe. Hat man nun voller Freude eine dieser Fahrkarten bezogen, muss man das im Tram auch noch entwerten. Da gibt es mehrere mechanische Entwerter, die im Tram verteilt sind und das schöne, eben gekauft Ticket gleich wieder durchlöchern. Eine wachsame Kontrolleurin überprüft auch laufend, ob man auch ja die Tickets entwertet. Hat man diese Prozesse alle geschafft, ist die Tramfahrt auch schon meist zu Ende. Im Gegensatz zum Trolleybus kann man dann, Gott sei Dank, nicht nur bei der vorderen Türe aussteigen und hat das Tram so meistens wieder schnell verlassen.
Fahrerinnen Die Strassenbahn in Irkutsk in fest in der Hand der Frauen. Männliche Tramfahrer gibt es nicht und auch die Kontrolleure sind ausschliesslich weiblichen Geschlechts. Das Alter der Chauffeusen ist ziemlich durchmischt und man sieht von jungen, hübschen und zierlichen Führerinnen bis zu ziemlich alten, robusten und lebenserfahrenen Fahrerinnen eigentlich alles. Es kommt durchaus vorkommen, dass man eine dieser «Tramschönheiten» beobachten konnte, wie sie vor einer Ampel die Nase pudert oder die Lippen nachschminkt. Man soll ja schliesslich auch im wilden Stadtverkehr sein adrettes Äusseres pflegen!
Jedem Irkutsk Reisendem kann ich eine Fahrt im Tram definitiv wärmstens empfehlen!
--> Video Irkutsker Tram
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