Jan
07
2010
Irkutsks Trolleybusse Drucken E-Mail

Das Interieur des Trolleybus #5
Das Interieur des Trolleybus #5
Über das inzwischen wohl wichtigste Transportmittel in Irkutsk, die Marschrutkas, habe ich ja schon mal geschrieben. Daher nun ein paar Infos und Eindrücke über die Trolley- oder O-Busse in Irkutsk. Damit fahre ich meistens, da ich die Marschrutkas nicht mag und mir die grossen, trägen Busse deutlich sympathischer sind. Nachfolgende eine Auflistung von verschiedenen Merkmalen der hiesigen Trolleybusse:

Linienetz und Fahrplan
Es gibt 10 Trolleybuslinien in Irkutsk, die auf beiden Seiten der Angara verkehren und/oder diese verbinden. Zu Stosszeiten fahren die Busse, je nach Linie, so ungefähr alle 10 Minuten. Allerdings kann es natürlich schon mal länger dauern, bis einer kommt. Ganz so regelmässig wie die Marschrutkas oder Linienbusse fahren sie eben doch nicht.  Von meiner Unterkunft fahren aber 4 Linien ins Zentrum, ich muss daher nie wirklich lange warten. Bei –30 Grad kann das durchaus von Vorteil sein.

Fahrzeugtypen
Die Dinger sehen irgendwie alle gleich aus und viele haben wohl bestimmt schon mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel. Sie dröhnen, ächzen und klappern manchmal doch so stark, dass ein berechtigter Grund zur Sorge bestehen könnte. Die neueren Modelle sind optisch identisch mit den Sowjetbussen, die Sitze sind aber zeitgemässer und die Fahrzeuge wirken heller und komfortabler. Viele Busse sind übrigens komplett mit Werbeaufschriften überklebt, da wird z.B. für koreanische Nudel-Schnellgerichte oder Ferien in Thailand Werbung gemacht. Ab Ende Januar sollen notabene 6 neue, topmoderne Trolleybusse ihre Runden drehen...da bin ich ja mal gespannt wie die aussehen und wie modern die wirklich sind.

Fahrkomfort
Der Komfort ist eigentlich ganz gut. Die Trolleybusse sind normalerweise nicht so voll wie Marschrutkas und die anderen Busse und oft findet man sogar, auch zu Stosszeiten, einen Sitzplatz. Die O-Busse sind natürlich langsamer als andere Verkehrsmittel, für mich daher aber auch irgendwie sicherer. Im Winter ist es aber relativ frisch in den Bussen und die Scheiben sind oft mit dickem Eis beschlagen. Es gibt zwar Heizungen (die verdammt laut sind), die können die Kälte aber nicht bewältigen.

Und die #5 von aussen
Und die #5 von aussen
Preise und Tickets
Eine Einzelfahrt mit dem Trolleybus, egal welche Strecke, kostet RUB 10. Das sind umgerechnet rund 34 Rappen. Es gibt auch Abonnements, die das Fahren auf den Trolleybuslinien erlauben. Da ich aber manchmal auch andere Busse nehme, lohnt sich das für mich nicht zu kaufen. So zahlt man den Preis immer bar dem Fahrer beim Aussteigen. Man kann den Trolleybus immer nur durch die vorderste Türe verlassen, die anderen bleiben verriegelt bis alle ausgestiegen sind. Wenn sich nur wenige Leute im Bus befinden, funktioniert das ja eigentlich ganz zufriedenstellend. Wenn der Bus aber rappelvoll ist, werden diesem System die Grenzen aufgezeigt. Vor allem man sich zuhinterst im Bus befindet, muss man sich bis ganz nach vorne durchkämpfen und rechtzeitig aussteigen zu können. Es lohnt sich also daher sich beizeiten den Weg nach vorne zum Fahrer zu bahnen, damit man auch seine Haltestelle nicht verpasst. Das ist bei vollem Bus manchmal gar nicht so einfach und kann durchaus eine Herausforderung sein. So wird man schon mal von einer rüstigen, voluminösen Babuschka unsanft weggecheckt, die sich den ohne Rücksicht auf Verluste den Weg Richtung Fahrer freidrängt.

Das System ist definitiv sehr uneffizient. Morgens verlassen oft 30 oder mehr Leute bei grösseren Haltestellen den Bus und es dauert demzufolge eine ganze Weile, bis alle vorne ausgestiegen sind und auch die 10 Rubel herausgegrübelt oder das Abo gefunden haben. Dafür gibt es praktisch keine Schwarzfahrer, das muss natürlich auch gesagt werden.

Fahrer
Im Gegensatz zu den Marschrutkas oder den Linienbussen, sitzen bei den Trolleybussen auch viele Frauen am Steuer. Ich habe allerdings noch keinen markanten Unterschied des Fahrstils zwischen Fahrern und Fahrerinnen festgestellt. Eine kleine Episode: als ich kürzlich unterwegs war, hielt der Bus auf offener Strasse zwischen zwei Haltestellen an. Die junge, blonde und äusserst adrette Fahrerin stieg aus, spurtete zu einem Kiosk, kaufte sich eine Packung Zigaretten und erst dann wurde die Fahrt fortgesetzt. Gott sei Dank waren es nur Zigaretten und nicht Schuhe, Klamotten oder Kosmetik...

Zuverlässigkeit
Die Busse fallen schon immer mal wieder aus und scheinen nicht extrem zuverlässig zu sein. Öfters sieht man einen Trolleybus am Strassenrand stehen, der keinen Wank mehr macht. Beim dem Gerumpel innerhalb des Busses ist das allerdings nicht eine wirklich grosse Überraschung. Man muss aber natürlich auch sagen, dass bei diesen Temperaturen und den teilweise schlechten Strassen das Material doch sehr stark belastet wird. Die Trolleybusse „entgleisen“ natürlich auch hin und wieder. Dann sieht man die Fahrer und Fahrerinnen nach hinten hasten und den Stromabnehmer wieder auszurichten. Bei –30 Grad nicht die schönste Arbeit.

Im Grossen und Ganzen bin ich aber froh, dass es dies Busse gibt. Ich will auch gar nicht meckern, bin ich doch ein zufriedener Stammgast dieser Strombusse geworden. Guten Fahrt!

 

 

 

Kommentare (1)

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Die Obusse in Irkutsk...
...rumpeln wirklich ziemlich durch die Strassen. Aber ich finde auch, dass sie recht sympathische Fahrzeuge sind. Alte Obusse werden immer seltener im Stadtbild. Das Problem mit den stark vereisten Fenstern kenne ich auch nur zu gut. Ich hatte bei meinem Aufenthalt in Irkutsk 2009 ernsthafte Probleme, um in der Nacht die richtige Station zum Aussteigen zu erspähen.
Andersreisender , 23. Januar 2010, 10:17

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