Klimawandel: Hochzeitsbett der Baikalrobbe taut zu früh
Geschrieben von: aktuell.ru
Nerpa - die Baikalrobbe
Steigende Temperaturen verkürzen die Eisperiode des Baikalsees und gefährden so sein Ökosystem. Davor warnen jetzt russische und amerikanische Forscher. Kürzere Winter und mehr Niederschläge bedrohen die Artenvielfalt.
Das Klima des Baikalsees wurde in den letzten Jahrzehnten spürbar milder, was die Dauer der Eisbedeckung reduziert. Zudem stiegen auch die Niederschläge an. Das habe bereits bisher zu starken Veränderungen der Nahrungskette geführt, die langfristig die reiche Naturvielfalt des Sees zugrunde richten könnten, so die Ökologen der Universität Irkutsk und des Wellesley College in Massachusetts im Fachmagazin BioScience.
Am meisten besorgt die Forscher der Rückgang der Kieselalgen im See, die eine wichtige Grundlage der gesamten Nahrungskette darstellen. Im Unterschied zu anderen Kieselalgen blüht die endemische Baikal-Kieselalge im Frühling bereits unter der Eisdecke, weshalb die immer kürzere Gefrierperiode des Sees zu starken Einschränkungen in Wachstum und Vermehrung der Pflanze führt.
Rückgang von Algen und Plankton gefährdet den Fischbestand
Von der Alge ernähren sich Kleinkrebse, die wiederum die Hauptmahlzeit der gesamten Fischwelt des Sees darstellen. Der Bestand der Kleinkrebse ist zusätzlich von Veränderungen der Durchsichtigkeit der Eisdecke bedroht, was die Forscher auf die Zunahme der Regenfälle und auf Änderungen der Windrichtung zurückführen.
Das Hochzeitsbett der Baikalrobbe taut zu früh
An der kürzeren Eisperiode leidet auch die Baikalrobbe, die weltweit einzige Süßwasser-Robbe, die an der Spitze der Nahrungskette des Baikalsees steht. Da sich diese Tiere auf dem Eis paaren und dort auch ihre Jungen zur Welt bringen, zwingt sie die frühe Schmelze schon weitaus früher ins Wasser, was ihre Fruchtbarkeit drastisch verringert.
Endlich: Das Zellulosekombinat am Baikalsee schliesst
Geschrieben von: aktuell.ru
Das Werk wird dicht gemacht
Die jahrelangen Diskussionen um die umweltschädliche Papierfabrik am Baikalsee kommen nun voraussichtlich zu einem Ende: Der Gouverneur des Gebiets Irkutsk verspricht die Schliessung der Dreckschleuder.
„Wir kommen endlich zum Verständnis dessen, dass das Zellulose- und Papierkombinat in Baikalsk nicht arbeiten wird“, sagte Gouverneur Igor Jessipowski am Mittwoch in Irkutsk. Die Versorgung der jetzt vor der Entlassung stehenden Mitarbeiter sei ein Problem, aber „noch grösser war das Problem des 40 Jahre andauernden Streits um das Kombinat, das am Baikalsee fehl am Platze ist“. Der Umweltschutz siegt – dank der Krise? Deutliche Worte, die sich so mancher viel früher gewünscht hätte, war doch von Seiten der russischen Politiker bisher nur wenig Unterstützung für die Sache des Umweltschutzes am Baikalsee gekommen.
Denn das Baikalsker Zellulosekombinat stand seit Jahrzehnten in der Schusslinie der Kritik von Umweltschützern, da die Abwässer bis zuletzt ungeklärt in den Baikalsee geleitet wurden – eine Katastrophe für die einzigartige Flora und Fauna der Region.
Trotz mehrerer Auflagen vonseiten nationaler und internationaler Behörden hatte es das Werk erst im September 2008 geschafft, seine Arbeit umweltschonend zu gestalten. Dann ergab sich jedoch, dass die Produktion durch den neuen, abwasserfreien Herstellungszyklus nicht konkurrenzfähig war. Im November 2008 kam es zu einer vorübergehenden Schliessung.
Diese wird jetzt wohl eine endgültige sein. Laut Gouverneur Jessipowski ist die Installation von hochwertigen, die Umwelt nicht schädigenden Bleichanlagen zu teuer. Ohne Bleichanlagen lohnt sich die Produktion aber nicht. Und die Gebietsregierung ist nicht in der Lage, den defizitären Betrieb zu subsidieren.
Neue Arbeitsplätze in neuer Wirtschaftszone
Bereits im Oktober waren zehn Prozent der einst 2.300 Mitarbeiter entlassen worden, später folgten weitere 1.377 Angestellte. Die Irkutsker Gebietsregierung hat ein Programm angekurbelt, um die Menschen mit neuer Arbeit zu versorgen.
In Perspektive sollen sie in einer neuen Wirtschaftzone Arbeit finden, mit deren Aufbau in naher Zukunft begonnen werden soll. Dabei handelt es sich um ein Fremdenverkehrs- und Erholungsgebiet, das die daniederliegende wirtschaftliche Aktivität in der Region wieder beleben soll. Wozu eine Krise doch gut sein kann! Die Schliessung des so lange umstrittenen Zellulosekombinats ist indes ein Beispiel dafür, wie die Wirtschaftskrise auch positive Folgen zeitigen kann – wie lange wurde gestritten und gekämpft, und dabei ist zum Schluss alles ganz einfach: Das Geld ist ausgegangen, also wird es eine Dreckschleuder weniger im Lande geben. Weiter so!