Dec
19
2009
O du fröhliche, o du selige

Weihnachtsstimmung
Weihnachtsstimmung
Bekanntlich werden in Russland die Weihnachten nicht wie bei uns am 24., 25. und 26.12. gefeiert, sondern erst in der Nacht vom 6.1. auf den 7.1., gemäss dem Russisch Orthodoxen Kalender. Während bei uns also gefeiert und geschlemmt wird, arbeitet man hier in Russland ganz normal. Das wichtigste Fest des Jahres in Russland ist aber sowieso nicht Weihnachten sondern das Neujahrsfest am 31.12. Dann geht die Party so richtig los, man beschenkt sich üppig und feiert zuerst zusammen mit der Familie, anschliessend oft noch mit Freunden bis zum Morgengrauen.

Wir haben aber noch nicht Neujahr und auch Weihnachten ist noch nicht. Am Freitag fand aber bereits der letzte Deutschunterricht des Semesters statt und wir haben diesen Tag genutzt, um mit den drei Deutschklassen die wir unterrichten (mein Lehrerkollege Dmitri und ich), den Studenten das Deutsche bzw. Schweizer Weihnachtsfest etwas näher zu bringen. So mussten die Studenten kleine Powerpoint Präsentationen zu verschiedenen Weihnachtsthemen vorbereiten. Die Themen hiessen z.B. Weihnachtstraditionen in Deutschland, die Adventszeit, der Weihnachtsbaum, Weihnachtsessen usw. Die Studis haben erst im September mit dem Deutschunterricht begonnen, daher eine ziemlich anspruchsvolle Aufgabe. Trotz den noch ziemlich bescheidenen Deutschkenntnissen haben es aber die meisten  geschafft, wirklich gute und interessante Präsentation zu erstellen Auch ich habe etwas für den Anlass vorbereitet und über Weihnachtstraditionen in der Schweiz berichtet. Zur allgemeinen Erheiterung vieler, habe ich auch ein paar Schweizerdeutsche Ausdrücke eingebaut.

Der 3-stündige Anlass bestand aber nicht nur aus Vorträgen, es wurden tatsächlich auch altbekannte Weihnachtslieder gesungen. In den letzten zwei Wochen habe ich den Studenten die Lieder „O Tannenbaum“, „O du fröhliche“ und „Stille Nacht“ etwas näher vorgestellt und trotz anfänglicher Skepsis, wurden die Lieder an der Feier dann doch kräftig mitgesungen. Mein sängerisches Antitalent wurde dadurch zum guten Glück von den brillant singenden Studentinnen und Studenten bei weitem überschallt.

Aber auch Weihnachtsguetzli wurden in grossen Mengen gebacken. Nach „Mami’s Rezept“ produzierten die Studentinnen wirklich gelungene Zimtsterne und andere Weihnachtsleckereien. Süssigkeiten gabs im Überfluss und der Tee dazu darf in Russland sowieso nie fehlen. So wurde viel genascht, viel kommuniziert und Freude herrschte. Halleluja!

 
Dec
16
2009
Eisige Dezember Fröste

Das wird nicht schmelzen - zu kalt!
Das wird nicht schmelzen - zu kalt!
Es ist kälter geworden in Irkutsk. Seit rund einer Woche herrschen hier, zumindest für Mitteleuropäer, doch ziemlich tiefe und frostige Temperaturen. Das Thermometer steigt tagsüber nicht mehr auf über –20 Grad und fällt dann nachts etwa auf –30 Grad. Heute nacht soll es sogar –35 Grad werden... Schon ziemlich frisch und ohne gut Kleidung sollte man sich nicht allzu lange im Freien aufhalten. Hat man aber die entsprechende Kleidung, macht es sogar Spass sich in der Kälte zu bewegen und die klirrenden tiefen Temperaturen zu spüren. Ist man aber auch trotz guter Jacke und Thermounterwäsche zu lange draussen, spürt man vor allem die nicht abgedeckten Haustellen schon bald mal. Vor allem das Riechorgan wird ziemlich schnell verdammt kalt und in Kürze sieht man aus wie eine alte Schnapsnase. Oder, da wir uns ja in Russland befinden, vieler eher wie ein alter Wodkazinken.

Die Kälte ist aber definitiv einiges trockener als bei uns und daher viel besser erträglich. So lange es windstill ist also nicht wirklich ein Problem, falls dann aber ein bissiger Wind auffrischt, kann es schon ziemlich unangenehm werden. Aber gegen Kälte kann man sich ja gut schützen. So tragen die jüngeren Männer und auch viele jüngere Damen sehr oft warme Daunenjacken, etwas ältere Personen (aber natürlich nicht nur) tragen die bei uns verpönten Pelzmäntel. Die sehr elegant wirkenden Pelze schützen eben gegen diese Temperaturen immer noch am besten und sind hier wirklich nötig. Die bekannte russische Pelzmütze (Uschanka – ушанка) sieht man zwar noch, aber längst nicht mehr so oft wie früher. Viele, vor allem jüngere Leute, tragen heute ganz normale Wollmützen.

Walenki (валенки), die legendären russischen Filzstiefel, sind prinzipiell das richtige Schuhwerk für solche Temperaturen. Damit friert man bestimmt nicht. Die Original Walenki sind aber komplett aus Filz und daher nicht wirklich wasserdicht, ausserdem verfügen sie über keine Sohle oder kein Profil. Also auch nicht ideal, vor allem wenn man längere Distanzen zu Fuss gehen sollte.  So tragen die meisten Herren gefütterte Halbschuhe oder auch Lederstiefel, die Damen tragen meistens elegante Stiefel, nicht selten mit sehr hohen und dünnen Absätzen. Da Frage ich mich schon, wie sich damit auf den manchmal spiegelglatten Strassen oder Trottoirs gehen lässt...

Und sie sind auch im Winter geöffnet, die vielen Eisdielen und Glacéstände die es in Irkutsk gibt. Verständlicherweise nicht mehr ganz so zahlreich wie im Sommer aber auch in der kalten Jahreszeit sind einige dieser Kioske geöffnet. So ist es hier durchaus möglich, dass man eine Glacé leckende Personen im Freien bei –25 Grad antrifft...erstaunlich, wirklich erstaunlich.

 
Dec
10
2009
Hungriger Baikal – neun Autos krachten letztes Wochenende durchs Eis

Das ging schief
Das ging schief
Gewarnt werden die Autofahrer hinreichend und man müsste meinen, die Leute haben hier genügend Erfahrung mit der Eisdicke und den Gefahren das gefrorenen Baikalsees. Dennoch gibt es immer wieder viele törichte Fahrzeuglenker, die ihre meist japanischen, teilweise getunten Gefährte, auf dem Baikal spazieren fahren, rumsliden oder einfach die Pferdestärken spielen lassen. Vor allem jetzt, in der Zeit in der der See noch längst nicht komplett zugefroren ist, kann dies ein ziemlich riskantes Abenteuer sein. So wie es Beispiele vom letzten Wochenende zeigen...

Auf dem gefrorenen Baikalsee gibt es nämlich viele Stellen mit Packeis, Spalten und dünnem Eis (heisse Quellen unter Wasser), die für Autofahrer ziemlich gefährlich sind und zum erbarmungslosen Verhängnis werden können. So sollte man immer nur zusammen mit sehr erfahrenen, einheimischen Lenkern das Eis befahren. Es gibt auch Inspektoren, die täglich die Eisdicke messen und dann gewissen Strecken freigeben oder sperren und auf Eiskarten die Werte und Empfehlungen einzeichnen. Diese Karten werden dann auf verschiedenen Webseiten publiziert. Eine offizielle geprüfte Eisstrasse gibt es zum Beispiele zur Insel Olchon. Sie wird normalerweise für Autos und Lastwagen ab einer Eisdicke von 70 cm im Januar freigegeben. So dick ist aber momentan das Eis noch nicht, das hält aber viele Leute nicht davon ab, trotzdem den zugefrorenen See zu befahren. Und so endet der Sonntagsausflug eben wie letztes Wochenende, als gleich neun Autos einbrachen. Es kam niemand um und die Insassen konnten sich alle retten. So glimpflich gehen die Geschichten aber leider nicht immer aus.

 
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